Foto: Weisz & Ascher, Foto: z.V.g.
Verlag/Jahr: City-Flyer Printausgabe 12/13


Techno ganz slooow

PRINT: WEISZ & ASCHER - Mit nagelneuem Track und Video weltweit am Start.

Mario "Ranieri" darf sich ohne Weiteres als alter Hase der Technoszene bezeichnen - als DJ und Produzent mit dem eigenen Label SCHUBfaktor reist er laufend um die Welt, wenngleich seine Homebase nach wie vor St. Pölten bleibt. Seit 24.10. ist das neue Video zu Slow Seeker, dem neuen Track der Techno Artists Weisz & Ascher, draussen, der Song weltweit digital erhältlich. Ein schöner Anlass, um den umtriebigen Herrn zum Interview zu bitten ...


City-Flyer: Wie kamen Weisz & Ascher und du zusammen?

Mario Ranieri: Matthias Ascher schickte mir ein paar Demotracks, nachdem wir uns flüchtig kannten und er mich öfter mal angequatscht hatte, weil er mein Schaffen als Deejay und Produzent kannte. Einiges davon hat mir gut gefallen, er hat mir dann nebenbei aber auch den Track "Slow Seeker" mitgeschickt - und hier habe ich mich sofort in den Sound verliebt. Groove und Melodie bohrten sich sofort in mein Hirn - und gleich hatte ich auch die Bilder vom Video dazu vor mir. Sagte Matthias also, dass ich den Track unbedingt auf Schubfaktor releasen möchte und auch schon die Idee fürs Video hätte - er war begeistert. Jetzt mussten wir noch seinen Kollegen Andi Weisz (seines Zeichens der Bruder von Sascha Weisz aka Megablast von Makossa & Megablast) überzeugen, da dieser hauptsächlich an dem Track beteiligt war. Die beiden haben dann noch einige Versionen gemacht, bis wir schließlich die Endfassung hatten. Das Mastering übernahm Patrick Pulsinger, der ja auch kein Unbekannter in der Szene ist.


CF: Und wie entstand das Video?

Mario: Mir war klar, dass es in Zeitlupe gedreht werden soll, weil es einfach perfekt zum chilligen Sound passt. Außerdem dachte ich sofort daran, meine Tochter Elena und Matthias’ Sohn Tobias als Hauptdarsteller dafür zu "engagieren". Der Dreh passierte dann sehr spontan diesen Sommer, nachdem meine Kleine zwei Wochen danach mit ihrer Mutter, meiner Ex, nach England verzogen ist. Weil wir ein Sommervideo wollten, waren die Drehplätze ganz klar: Sommerbad und Hammerpark St. Pölten! Als Kameramann konnten wir einen ehemaligen SAE Wien-Studienkollegen und absoluten Profi gewinnen, gedreht wurde in 4K mit einer 60.000$ RED Kamera, dieselbe Kamera übrigens, die auch Peter Jackson für den "Hobbit" verwendet hat ... Idee, Regie, Schnitt und Post-Production habe ich übernommen, um nach meinem letzten, ziemlich krass blutigen (( "Fleischwerdung"-Musikvideo )) meine Erfahrungen in diesem Bereich nochmals zu toppen.


CF: Wie ging es den Kids beim Dreh?

Mario: Die beiden hatten sehr viel Spaß, wir haben uns Mühe gegeben, dass es keine Arbeit, sondern Spiel für sie war. Das Ergebnis gefällt ihnen. Schlussendlich ist das Video auch ein wenig Hommage an Elena. Sie ist mir das Wichtigste in meinem Leben.


CF: Du bist seit '99 aktiv in der Technoszene - was hat sich in der Szene verändert im Vergleich zu heute bzw. was bedeutet dir die Musik heute im Vergleich zu damals?

Mario: Es hat sich vieles geändert. Die Technoszene ist sehr schnellebig und die Genres kommen und gehen. Ich habe eigentlich mit "normalem" Techno angefangen. Mir war es allerdings nie hart genug und so ist gemeinsam mit einigen deutschen Kollegen (Sven Wittekind, Frank Kvitta, Arkus P, DJ Rush, etc.) aus dem schnellen treibenden Tribal Techno später der Hardtechno entstanden. Es gab eine Zeit so um 2004-2007 wo Hardtechno auch in Österreich sehr bekannt wurde und es viele Parties gab. Ich spielte im Inlang viele Gigs auch in kommerzielleren Discos wo ich mir 1999 nie erträumt hätte jemals meine Sound spielen zu können. Durch das Aufkommen der KROCHA ist das ganze dann etwas ins Lächerliche abgerutscht und allmählich wieder abgeflaut. Heute sind die Charts voll mit Electro, Dubstep und Progressive House. Teilweise gefällt mir auch diese Musik, nur finde ich dass zuviel von ein und derselben Musik schnell nervig sein kann. Die Technoszene in Österreich (wenn man das so überhaupt noch nennen kann) kommt mir sehr eintönig vor. Ich rede viel mit Leuten die früher auf meine Parties kamen und die Leute sehnen sich schon langsam wieder zurück zu richtigem, straighten Techno. Derzeit hört man an allen Ecken nur dieses nervtötende kirmeshafte Rumgequieke ala Steve Aoki, Afrojack etc. Die Veranstalter supporten diesen Sound natürlich weil er derzeit angesagt ist. Aber ich habe schon ca. 3 Generationen von Techno erlebt und ich kann immer wieder feststellen: Alles ändert sich und ist in Bewegung. Das ist auch gut so – denn so entstehen auch neue Genres und Stilrichtungen.


CF: Stichwort "digital only" - magst du uns als Experte verraten, warum ein heutiger Künstler gut daran tut, "nur" noch digital zu veröffentlichen? Oder gilt das gar nicht für jede VÖ? Wie siehst du das?

Mario: Für mich persönlich als Künstler und Label ist jeglicher physikalische Tonträger nicht mehr lohnenswert. Ich habe die Vinylproduktion vor einigen Jahren komplett eingestellt, nachdem ich es bei den letzten Pressungen immer schwerer hatte diese an den Mann zu bringen. Die Zeiten wo man locker mal 3000-5000 Vinyls los wird sind längst vorbei. Legt doch auch kein Deejay mehr mit Vinyl auf. Leben konnte ich im Übrigen vom Verkauf von Musik sowieso noch nie – da blieb sowieso nie viel hängen. Heute ist es meiner Meinung nach noch schwerer. Wenn man pro verkaufter MP3 schlussendlich ca. 17 Cent bekommt kann sich jeder normal Sterbliche ausrechnen, wieviel man verkaufen muss damit ordentlich was übrig bleibt. Ganz zu schweigen vom Equipment- und den Produktionskosten. Für mich war und ist die Musik noch heute einfach nur Leidenschaft und vor allem auch Promotion für mich als Künstler bzw. Deejay. Dessen sollte sich jeder der ins Geschäft einsteigt bewusst sein. Wenn man von Musik richtig gut leben will, ist es besser Kommerz oder Volksmusik zu produzieren – und selbst damit hat man es in Österreich so und so schwer.

-am-

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Autor: werner
letztes update: 25.10.13
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