Foto: Christoph Ransmayr, zVg.
VA-Tag: Am Freitag den 16. September 2011
VA-Ort: ULNÖ Krems


Péter Esterházy und Christoph Ransmayr

16.09.11 / KREMS: Das Unabhängige Literaturhaus in Krems lädt unter dem Motto "Europäisches Format" die beiden Schriftsteller Péter Esterházy und Christoph Ransmayr ein.

Zwei ganz Große der europäischen Literatur, deren inhaltlicher wie stilistischer Gestus weit über Kontinentalgrenzen hinausreicht, geben dem ULNÖ die Ehre: Péter Esterházy und Christoph Ransmayr lesen aus Titeln, die jeweils Kultstatus erreicht haben.

Péter Esterházy
Legt bereits 1979 in Ungarn einen Zweiteiler vor, der "einschlug wie eine Bombe" und lange Zeit aufgrund seiner Machart, seiner Anspielungen und literarischen Kunstgriffe als unübersetzbar galt. Schließlich gelang es Terézia Mora dennoch, das Meisterstück nicht weniger meisterhaft ins Deutsche zu übertragen: Ein Produktionsroman. (Zwei Produktionsromane) liegt seit 2010 beim Berlin Verlag auch für deutschsprachige LeserInnen vor. Der "Produktionsroman" persifliert vollendet jene verordnete Literatur-Form von "Widerspiegelung der optimalen Verhältnisse im real existierenden Sozialismus", die von AutorInnen hinter dem Eisernen Vorhang erwartet wurde:

"Wir denken an zu vieles. Langsam wissen wir nicht mehr, wie was wo. Lasst uns partikulär denken. Ein paar Perspektiven verlieren. Wir sind nicht die Firma, wir sind eine lebendige Person, und die Firma ist es nicht. Wir sind Mitteleuropäer: unser Nervenkostüm ist verschlissen, unser Klopapier hart. Wir zittern nicht wie Espenlaub; wir hängen ab. Wir mögen uns nicht. So was gibt's. Ein Jemand erblickt einen anderen Jemand, der hat ein Haar im Ohr, und schon ist's vorbei!"


Christoph Ransmayr
Morbus Kitahara - ein rätselhaftes Leiden am Auge, das die allmähliche Verfinsterung des Blicks bedingt, ist der perfekte metaphorische Titel jenes Romans, den der Autor 1995 bei Fischer herausbringt. In einer fiktiv historischen Welt, die von einem unheilvollen Frieden verdüstert ist, verwebt Ransmayr auf beunruhigende Art Bruchstücke der Zeitgeschichte.

"Aber nur die Schmiedin wußte, daß dieser Mohn Blut bedeutete und ein Zeichen der Madonna war. Sie streute dieses seidige Rot über das Land, um den letzten ihrer Söhne jeden Tag daran zu erinnern, daß unter den vielen ungesühnten Toten in der Moorer Erde nun irgendwo am Ufer oder im Geröll verscharrt wohl auch ein Opfer lag, das nicht von Schlägern und nicht im Krieg und nicht im Steinbruch, sondern von seiner Hand getötet worden war ..."


Die Weinbegleitung erfolgt durch das Weingut Bründlmayer.

Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 15,- € / erm. 13,- €

Autor: claudia
letztes update: 8.8.11
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