Foto: Café Kakao
Verlag/Jahr: City-Flyer Printausgabe 07/10


Wir sind Politiker

PRINT: Café Kakao - talentierte Menschen haben die Qual der Wahl. Partei gründen? Radio machen? Ins Kleinkunstfach wechseln?

"Es gibt zu wenig Menschen, welche die Dinge beim Namen nennen", stellten Andreas Buchinger, Philipp Reichel und Gregor Liegl fest und machten sich auf, via Radio und öffentlicher Auftritte "mal Klartext" zu sprechen. Unter dem Logo "Café Kakao" konferiert das Trio wild entschlossen und sinnentleert über Leben und Tod und alles was dazwischen passiert. Die Entscheidung, welche Bühne nun erklommen wird - die der Politik oder die der Kleinkunst - steht noch aus. Werner Harauer erhält von Philipp und Gregor ernste Antworten auf heitere Fragen.


City-Flyer: Möchtet ihr euch unseren Lesern kurz vorstellen?

Philipp: Wir sind Andi, Gregor und Philipp von "Café Kakao", der Sendung für die moderne Frau im Rahmen von Campusradio 94,4 und machten Produktionen von Oktober 2009 bis April 2010.


C-F: Gregor Liegl, du verkörperst die Frau Mag. Gabriele Graugans, Philipp Reichel spielt den Dr. Dreyfuß und Andreas Buchinger Dr. Herbert Bert. Ist Mag. Graugans eine Emanze? Der Herr Dr. Dreyfuß ein linkischer Gelehrter und Dr. Bert ein kasachischer Hochstapler? Möchtet ihr die drei Charak­tere kurz skizzieren?

Gregor: Nö, nö, die Gabi ist das genaue Gegenteil einer Emanze. Wer sie einmal persönlich kennengelernt hat, weiß das. Sie bekommt gerne ab und zu mal ein Kind und hat auch schon den Abwasch erledigt. Ohne Geschirrspüler!!! Sie will nur beim Publikum gut ankommen und mit der Zeit gehen, sie ist ja sehr modern - trägt sie doch ausschließlich die aktuellen Farben der Saison. Deshalb der Genderschwerpunkt in ihren Ausführungen.

Philipp: Ich spiele meist den Dr. Dreifuß (bitte nicht mit dem französischen Offizier Dreyfus verwechseln!), einen Vielschwätzer, der sich nirgends wirklich sattelfest äußern kann.


C-F: Sind die drei Figuren nur in der Sendung "Café Kakao" im Einsatz oder spielt ihr diese auch anderswo?

Philipp: In der Badewanne ab und zu. Aber mein Quietsche-Entchen findet's nicht so lustig. Ich habe wirklich eines, in Camouflage. Der Gregor, mein Mitbewohner, hat ein rosa Exemplar.

Gregor: Auch so. Zuhause. Meine Oma hat mich unlängst gar nicht wieder erkannt und die Feuerwehr gerufen. Sie liest gerne die Kronen-Zeitung und hat große Angst vor Psychologinnen. Das muss man verstehen. Aber ihr Backhenderl ist gut. Sie verwendet ausschließ­lich das Beste vom Vogelfleisch dafür!


C-F: Ihr macht Satire. Im Radio und live. Wie würdet ihr euer Tun einem Satire-Unkundigen beschreiben? Macht ihr Kabarett? Oder eine Tripple-Conference?

Gregor: Wir machen einfach irgendwas. Das hat keinen Sinn und keine Aussage. Wir sind Politiker.

Philipp: Beides. Die Conferencen "leiten" durch die Sendung bzw. das Programm und die Sketches sind Kabarett.


C-F: Um den Leser auf die richtige Spur zu führen. Orientiert ihr euch an Maschek. oder Stermann und Grissemann?

Philipp: Eher Maschek. Am meisten Projekt X. Aber wir wollen ja, weil das soviel andere nicht wollen, tatsächlich in Schubladen gesteckt werden!

Gregor: Die Rolle der Frau Dr. Graugans ist in starker Anlehnung an die Barbara Karlich Show passiert. Ansonsten ist das unterschiedlich. Einmal denken wir uns: So, heute machen wir mal einen auf Kaiser-Mühlen-Blues und das nächste Mal kommentieren wir schon wieder ein Handball-Match. Wie man will.


C-F: Wie seid ihr zu diesem ungewöhnlichen Hobby gekommen? Entsteht so eine Idee bei einem Bier, bei dem man - wie bei einer Bandgründung - zusammensitzt und beschließt, künftig gemeinsam auf die Bühne zu gehen?

Gregor: Bier hat soviele Kalorien wie eine Kaisersemmel!

Philipp: Der Gregor kannte eine Studentin der FH St.Pölten, Isabella Wagner, die machte eine Sendung namens "Hörwinkel". Die nahm uns mit auf’s Boot, und schwupps machten wir im SS 2009 Sendung zu dritt, bis dann auch der Andi zu den letzten, ich glau­be drei, Sendungen, dazugestoßen ist.


C-F: Auf eurer MySpace-Site wollt ihr die Zielgruppe der "trendigen jungen Leute und älteren Damen" erreichen. Was haben trendige junge Leute und ältere Damen gemeinsam, um eure Sendung zu mögen? Oder wollt ihr da­mit andeuten, dass die Sendung für jeder­mann geeignet ist und niemanden ausschließt?

Gregor: Zuerst zur zweiten Frage: Sie schließt sogar viele Leute aus. Zum Beispiel Vierzigjährige Männer mit Cowboyjacke, uncoole Kinder und Cockerspaniel. Zur ersten Frage: Gene oder hin und wieder Schnupfen.

Philipp: Die älteren Damen bilden den stabilen Fan-Kern, die jungen Leute sind sehr wählerisch geworden. Vor allem bei der Maniküre. Die heutige Ju­gend ist nicht mehr die, die damals heutige Jugend war. Jeder kann unseren Humor verstehen, solange man über Deutschkenntnisse verfügt.


C-F: Welche Themen werden von euch angeschnitten? Bisher war von euch etwas über das Verbotsgesetz und katholische Knabenerziehung zu hören, Beauty- und Wellness-Themen wurden behandelt, Frühlingsgefühle, das neue Jahrzehnt, Aliens, Cowboys & Indianer, und Wurstwaren kamen zur Sprache. Kann man die Themen in etwa dem Begriff "Lifestyle" unterordnen?

Philipp: Das Leben in all seiner Vielfalt. Also Lifestyle. Umso mehr Kontrast, umso besser. Interviews auf der Studentendemo zum Thema "Cowboy und Indianer" machen bzw. Fiakerfahrer nach der Vorliebe der Schusswaffen im Wilden Westen zu fragen, ist einfach sehr ergiebig. Der Lifestyle katholischer Geistlicher ist sehr effizient: die gehen halt mit der Jugend auf Tuchfühlung, ohne sie mit von Wahlkampfgeldern bezahlten teuren Getränken in die Diskotheken locken zu müssen.

Gregor: Wir sind Politiker. Das trifft auch auf die Themen zu. Wir nehmen, was grad gut ankommt. Wir sind eben lässig.


C-F: Ihr hinterfragt auf satirische Weise die Lebensführung eurer Zeitgenossen?

Gregor: Mhm. Manchmal schon.

Philipp: Hinterfragen klingt nach kritisch sein. Diesen Anspruch hat mittlerweile jeder fünfjährige Rechts­radikale, der vor einem Mikrofon sitzt. Hinterfragen oder kritisch sein überlassen wir den Mitläufern. Wir haben sicher nicht den Blick von "außen".


C-F: Ihr habt Anfang Oktober mit der Sendung "Café Kakao" auf City Radio/ Campus Radio begonnen und wart bis April 2010 alle 14 Tage auf Sendung. Habt ihr euch nun eine kreative Pause verschrieben?

Gregor: Ja, genau.

Philipp: Studium zu Ende bringen, Schauspielausbildung, Theaterprojekte sowie Musik und sonstige Späße verlangen eine Pause. Wir schreiben im Sommer an einem Live-Programm.


C-F: Ihr hattet einen Liveauftritt im Café Publik anlässlich der Präsentation von City Radio. Wie was es für euch, die Reaktionen des Publikums unmittelbar zu spüren?

Philipp: Sehr gut. Der Andi ist das eh von seiner Männerbauchtanzgruppe her gewöhnt. Live ist eine andere Atmosphäre, die ist nicht zu vergleichen mit dem Studio.

Gregor: Wir stehen so oft in so unterschiedlichen Rollen auf der Bühne. Das ist wie für andere Leute im Wohnzimmer sitzen und ein Fußbad nehmen. Das Publikum war gut, weil wir gut waren. Das ist schon schöner, als in ein Mikrofon zu reden und nicht sicher sein zu können, ob einem überhaupt irgendjemand zuhört.


C-F: Gibt es weitere Unterschiede zwischen Liveprogramm und Radioaufzeichnung?

Philipp: Man arbeitet mit dem ganzen Körper, das macht den Hauptunterschied. Körperhaltung und Gestik übernehmen oftmals den größten Anteil in der Wahr­nehmung des Publikums.

Gregor: Ich hab einmal gehört, dass eine Radiosendung auf Ewigkeit in Form von Strahlen im Weltall herumfliegt und somit nie wieder aus dem Universum gelöscht werden kann. Die Frage ist nur, ob das was bringt. Ob sich wohl ein Alien irgendwann in die Stimme von Gabi Graugans verliebt? Und was wird er tun, wenn er merkt, dass die Gabi gar nicht echt ist? Wird er mich dann mit einem Laser erschießen? Oder wird er mich nehmen wie ich bin, und es gibt eine Ufo-Hochzeit? Das wär' wenigstens mal was neues. Da freu ich mich schon auf die Hochzeitsreise.

C-F: Ihr seid auch Musiker. Gregor und Philipp spielen bei der Deutschrock-Band Dame und Andreas hat ein Projekt mit Namen Dylan-Dynamit Dargaville University laufen. Kann man in einer Band gewisse Dinge nicht ausdrücken, sodass ihr auf andere Kunst­formen ausweichen müsst?

Gregor: Nein, das hat nichts mit müssen zu tun. Ich frage ja auch nicht: "Du isst manchmal Wurstsemmeln zum Frühstück. Reicht dir dein Müsli nicht, um deinen Hunger zu stillen, sodass du auf andere Nahrungsformen zurückgreifen musst?"

Philipp: Andis Projekt heißt nur "Dargaville-University". Das "Dylan Dynamit" war ein locker-lässiger Zusatz in einer Ankündigung.
In der Band nehmen wir uns auch nicht so ernst, auch wenn wir in den meisten Liedern von ernsten Angelegenheiten erzählen. Das muss kein Widerspruch sein. Der weise Kabarettist Egon Friedell meinte einmal: "Man muss das Leben nicht ernst nehmen. Das heißt aber nicht, dass es nicht ernst ist."


C-F: Seid ihr auch noch in anderen Bandprojekten vertreten?

Gregor: Zur Zeit nicht. Aber ich hab mit dem Andi gemeinsam in der Band "The Huhn" gespielt. Hauptsächlich Techno-Remix und Liebes-Schnulzen. Kann man sich eh im Internet anhören.

Philipp: Nein. Andi und ich hatten letztes Jahr das Vergnügen, unter dem char­manten Namen Port-a-Loo und Hurensohn beim Parque del Sol am Spratzener Kirchenweg Sixties-Covers zu spie­len.


C-F: Wie zuvor bereits erwähnt habt ihr beiden gemeinsam mit Isabella Wagner eine weitere Sendung auf City Radio betrieben. Worum ging es in der Sendung "Hörwinkel"?

Philipp: Das ist Vergangenheit. Und war ein wichtiger Einstieg. Danke City Radio, danke Campusradio, danke Isabella!

Gregor: "Hörwinkel" ist gewissermaßen der Vorläufer von "Café Kakao". Da haben der Philipp und ich angefangen, Stegreif-Sketches zu machen. Vorerst nur als kurze Zwischeneinlage, weil wir das lustig fanden.


C-F: Wie wollt ihr das Projekt "Café Kakao" weiterentwickeln? Wollt ihr in Zukunft vermehrt live auftreten?

Philipp: Ja, wie gesagt, vor allem live. Es gibt Gespräche über mögliche Auftritte im Herbst.

Gregor: Live ist schon cool. Da bekommt man die Getränke umsonst und kann mit den Fans turteln.


C-F: Wo kann man euch demnächst hören oder sehen?

Philipp: Ich stehe mit Christoph Fälbl und Angelika Niedetzky vom Kabarett Simpl auf der Sommerbühne Wolkersdorf, für "Café Kakao" gibt es, wie gesagt, auch schon mögliche Termine im Herbst. Da ist aber noch nix fix.


C-F: Vielen Dank für das Interview.

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Autor: werner
letztes update: 1.7.10
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