Foto: Gods Pang (c) Melanie K.
Verlag/Jahr: City-Flyer 04/10


Gottes Zorn in Versen

PRINT: Mit 12 Jahren flüchtete GODS PANG aus dem umkämpften Kosovo nach Österreich. Er verlegte seine Homebase nach stp, um von hier aus seine Raps und Beats auf die "verlorene" Welt loszulassen.

Sein Track "2Kopf Adler Mukke" ft. A.D.E. verschaffte ihm als einzigen stp-HipHop-Künstler einen Platz auf den Austrian Hip Hop Sampler 2009. Werner Harauer las der lokalen "Hauptattraktion" von den Lippen.

City-Flyer: Wie lautet dein richtiger Name?

Gods Pang: Roland Vilson Perlepi


C-F: Wo bist du geboren und wo wohnst du derzeit?

G.Pang: Geboren bin ich inoffiziell in Prishtina (Hauptstadt von Kosovo) aufgewachsen bin ich je­doch in Gjakova. In St. Pölten wohne ich seit fast 9 Jahren.


C-F: Du nennst dich Gods Pang oder auch G.Pang. Da liegt die Interpretation nahe, du fühlst dich von Gott gezeugt, also göttlichen Ursprungs. Ver­kündest du mit deinen Raps Wahrheiten über das Leben wie es tatsächlich läuft?

G.Pang: Jeder Mensch ist von Gott geschaffen worden, nur leider wissen das sehr wenige zu schätzen. Mit dem Pseudonym "Gods Pang" interpretiere ich den Zorn Gottes, der sich in meinen Liedern wiederspiegelt. Die Wahrheit über das Leben sieht jedoch jeder Mensch anders. Ich rappe über all das, was ich zu sehen und hören bekomme bzw. über das, was ich erlebe oder wo­mit ich konfrontiert werde.



"Trotz allem liebe ich diese Schlampe."



C-F: Die meisten St. Pöltner werden sich und die Stadt, wie du sie in deinen Raps beschreibst, nicht wieder erkennen. Wer hat nun recht, du oder die anderen?


G.Pang: Von mir aus sollen die Anderen St. Pölten so sehen wie sie wollen. Doch für mich war ist und bleibt meine Stadt so wie ich sie beschreibe. Trotz allem liebe ich diese Schlampe.


C-F: Seit wann bist du aktiv und wo war dein erster öffentlicher Auftritt?

G.Pang: Ehrlich gesagt war ich noch nie richtig aktiv, die Apokalypse kommt noch. Offiziell rappe ich schon seit über 5 Jahren, doch vor ca. 3 Jahren fing ich an, die Scheiße ernst zu nehmen als ich und mein bester Freund King OG, der seit 2 Jahren in der Schweiz lebt, Bullet Proof Autlawz gründeten. Der wiederum ein "Tha Bangaz" mit mir ist. Meinen ersten Auftritt hatte ich im Schulhof der Handelsakademie St. Pölten, wo ich erstmals Mal das Gefühl hatte "ich wäre heiß begehrt" (lacht).


C-F: Ich bin erst über den Austrian Hip-Hop Sampler 2009 auf deinen Namen gestoßen, wo du mit dem Song "2Kopf Adler Mukke" ft. A.D.E vertreten bist. Habt ihr in stp eine Hip-Hop Community gebildet, die sich von der bekannten St. Pöltner Hip-Hop Szene absondert?

G.Pang: 2007 gründeten wir Bullet Proof Autlawz, wo mir auch A.D.E als ein talentierter Künstler ins Auge gestochen ist, der gleichzeitig ein Verwandter von King O.G ist. Freez Beat, jetzt bekannt auch als Big Droper, bewies mir sein Talent schon im Alter von 11 Jahren. Der mittlerweile 16-Jährige ist auch mein Co-Beat Maker. Er ist mir seit 7 Jahren nicht von der Seite gewichen. Er ist mein sogenanntes Goldstück. 2008 entdeckte ich den Thug of RnB, BK Wonder, der mir mit seiner Stimme Gänsehaut bereitet hat und ich wusste schon damals, er ist ein Teil von uns. Da fehlte nur noch mein Bruderherz SmoKing, der mich bis heute mit seinen kranken lyrischen Gedanken umhaut. Anscheinend liegt es in der Familie. Als die Outlaw Ballerz dazu kamen, war Bullet Proof vollkommen. In St. Pölten bekommen nur meine Homies Mastaflashaz von mir Respekt. Es gibt sonst keine sogenannten "Rapper", die ich ernst nehmen würde. Sorry. Alles pubertierende Kids, die grad nicht wissen in welcher Richtung sie fliegen sollen.


C-F: Mit welchen Künstlern aus der Gegend arbeitest du noch zusammen?

G.Pang: Ich hatte in den letzten Jahren mit viele Ratten und Huren zu tun, heute geb ich einen Fick auf jeden, weil die meisten nur Arschkriecher und Verräter sind. Hauptsächlich arbeite ich nur mit meinen Leuten. Wobei ich auch mit mein Amigo Ericson immer wieder gerne das Mic rippe. Demnächst ist auch einiges geplant mit ihm. Ansonsten bin ich offen für alles.


C-F: Kannst du uns einige Locations nennen, in denen du schon Auftritte hattest?

G.Pang: Ich bin schon in etlichen Orten und Locations aufgetreten. In kleineren Lokalen, U-Bahn Stationen, Parkgaragen, oder in größeren wie im P1, dem heutigen Empire in Wien, so­wie im Tanzpalast Baden, in der Berufschule Wr. Neustadt, im Warehouse St. Pölten, Megaplex, Mundos oder Club La Viva. Sowie auch in Mazedonien, in der Schweiz, im Kosovo hatte ich Auftritte bzw. Contests.



"Doch bevor er aus­holte, bekam er von mir einen Tritt auf die Brust. Das Ergebnis war eine Massenschlägerei."



C-F: Ich hab in der City-Flyer Datenbank über dich recherchiert und alles, worauf ich gestoßen bin, war ein skandalöser Auftritt beim "B4-19 Rapstar Contest" im Warehouse, bei dem du mit einem Messer verletzt wurdest. Wie ist das passiert?

G.Pang: B4-19 hat 2004 und 2005 den besten Rapper bzw. Sänger Österreichs gesucht. Da ich 2004 teilnahm und den 5. Platz für NÖ belegte, nahm ich im darauf folgenden Jahr wieder teil. Nur diesmal war ich ein anderes Kaliber. Ich hatte damals schon ein Namen als Rapper mit provozierenden Texten. Jeder in St. Pölten wusste, wozu ich fähig war. Die damalige sogenannte "Konkurrenz" kannte mich schon.
Zuerst bin ich gemeinsam mit der Crew Mastaflashaz aufgetreten, wo das Publikum schon voll auf uns abgefahren ist und schlussendlich war ich als allerletzter Kandidat solo dran.
Die Konkurrenz musste schleunigst etwas dagegen tun. Anscheinend hat sie bemerkt, dass sie mit leeren Taschen in ihre Dörfer zurück fahren wird müssen.
Und so kam es auch. Bevor ich anfing zu rappen, ging es schon los. Mit Buuh-Rufen, Schimpfwörtern, Bechern, Spucke und gestrecktem Mittelfinger wurde ich begrüßt. 10 Sekunden nachdem der Beat losging, machte sich ein Narr auf dem Weg zu mir nach oben auf die Bühne und wollte mich tatsächlich angreifen. Doch bevor er aus­holte, bekam er von mir einen Tritt auf die Brust, sodass er von der Bühne ins Publikum flog. Das Ergebnis war eine Massenschlägerei. Über 30 Leute, davon 25 von der gegnerischen Seite, die sich angeblich wegen meiner kranken Texte beleidigt gefühlt haben.
Später hat sich herausgestellt, dass dieser 31-Jährige Türke, der mich mit einem Messer in den Unterarm stach, ein Asylant war, der kein Wort Deutsch konnte. Wo ist da die Logik? Naja…
Tatsache ist, dass ich ab diesen Zeitpunkt nur noch besser und stärker geworden bin, sodass ich noch psychotischer und tiefgründiger anfing zu schreiben. Was auch meine Hörer demnächst zu spüren bekommen werden.


C-F: Gehören für dich gewalttätige Texte zu Hip-Hop? Oder spiegeln die Texte das Leben wider, das du täglich lebst?

G.Pang: Gewaltvolle Texte sind kein Muss für mich. Doch wenn es der Wahrheit entspricht, drücke ich mich halt mit einer aggressiven Wortwahl viel besser aus. Schimpfwörter und kranke Text sind auch für mich da, um dem nächsten Rapper zu zeigen, dass ich einen Wortschatz habe, der mächtiger ist als seiner bzw. Gedanken, die weitaus kränker sind als seine und so den Gegner verbal, bzw. lyrisch ins Koma versetze.


C-F: Als Hip-Hop Mitte der 70er in New York geboren wurde, battelten die Kids mit Raps und Beats auf der Bühne, anstatt sich gegenseitig auf der Straße abzuknallen. Insofern half Hip-Hop die damalige Gewalt zwischen den Gangs einzudämmen. Siehst du Hip-Hop auch als Ventil, Druck abzulassen?

G.Pang: Definitiv. Ohne Hip Hop wäre ich schon längst wegen Massenmordes im Gefängnis (hehe). Ich lass alles lyrisch raus. Sei es Gewalt, Liebe, Sex, Drogen, Party oder einfach das verfickte Leben. Egal was. Es muss einfach raus.
Die Kunst bei der Sache ist: die Zuhörer müssen sich damit identifizieren, es muss also glaubhaft klingen. Es sollte unterhaltsam sein, eventuell witzig und darf sogar aggressiv sein. Eben Druck ablassen. Genau das macht einen guten Künstler aus und deswegen bin ich für die meisten Kids hier ein Vorbild.


C-F: Du bist albanischer Abstammung. Hast du das Gefühl, dass dir deine Herkunft Nachteile in Österreich bringt? Fühlst du dich als Underdog?

G.Pang: Ganz genau, ich bin ein Albo eine sogenannte Shqipe. Als ich wegen dem Kosovo Krieg mit 12 Jahren nach Österreich kam, war es am Anfang schwierig. Doch ich hab mich sehr rasch integriert und in kürzester Zeit die deutsche Sprache erlernt. Ich muss sagen, ich hatte nur ganz selten das Gefühl in Österreich benachteiligt zu werden. Doch ich fühle mich hier wohl und ich werde auch dementsprechend gut behandelt. Österreich ist meine Heimat geworden. Ich bin ein Teil von ihr.


C-F: Fühlst du dich als Europäer?

G.Pang: Ich bin mehr Europäer als die meisten, die es schon sind.


C-F: Du textest, du rappst und du spielst die Beats deiner Tracks ein. Hast du jemanden, der dir dabei hilft?

G.Pang: Theoretisch bin ich ein "Alles in Einem". Ich schreibe, rappe, produziere und spiele auch die Beats selber.
Alles was so manche gerne wären, auch ohne jegliche Ausbildung und auch ohne ein professionelles Tonstudio. Aus dem Minimalen, das Maximale rausholen. Mein Motto ist: Wenig ist oft mehr. Nur für Beats hilft mir zusätzlich garantiert der beste 16-Jährige Beat-Maker österreichweit, nämlich Big Droper a.k.a Freez Beat. Sonst liegt alles in meinen Händen.



"Es gibt hier keinen Rapper, den ich ernst nehmen könnte."



C-F: Deine Texte handeln oft über Leute, die es nicht bringen. Sei es, dass sie einen kürzeren Schwanz als du haben, nicht so gut rappen, ficken, kämpfen, ... können. Wie wichtig ist es für dich, Erster zu sein?

G.Pang: Haha, eine sehr interessante Frage. Zuerst bedanke ich mich bei meinem Vater. Fakt ist, ich BIN überdurchschnittlich bestückt. Zweitens fühle ich mich in 3100 echt alleine, Konkurrenz kannte ich hier nie. Es gibt hier keinen Rapper, den ich ernst nehmen könnte. Wie auch? Wenn das alles nur Imitate sind, Möchtegern-Gods Pang, gefakte Kopien, die auf geklaute Beats rappen. Im Gegensatz zu ihnen mache ich alles selber. Ich versuch immer wieder was Neues zu bringen. Was Einzigartiges. Und morgen gibt es schon die Second Hand Version. Ich sag nur "Ver­rückte Fans" dazu. Ich kann mir alles erlauben, weil ich das Zeug und die Gabe dazu habe. Ich bin das Original, die Urproduktion. Mir ist wichtig die Eins zu bleiben, nicht die Eins zu sein.


C-F: Wie schätzt du die Chancen ein, mit deiner Musik auch außerhalb deiner Community Erfolg zu haben?

G.Pang: Wenn ich die Seele der Leute treffe, wieso sollte das nicht zum Erfolg führen? Mein Vorteil ist auch, dass ich zwei Sprachen relativ gut beherrsche. Was dazu führt, dass ich beide Fangruppen in der Hand habe.


C-F: Hast du bereits Aufnahmen veröffentlicht, die sich interessierte Hörer anhorchen können?

G.Pang: Alles nur undergroundmäßig. Über das Internet, Myspace, selber CDs pressen u.s.w. Ich hab auch ehrlich gesagt noch nie irgendwelche Demos an irgendwelche Labels oder Radiosender geschickt. Ich wollte immer schon warten, bis ich mehr Material hab und ich noch viel besser werde bzw. meine Songs qualitativ ein hohes Niveau erreichen. Ich bekam auch einige Angebote von irgendwelchen unbekannten Labels, doch ich hab sie bis jetzt alle abgelehnt. Ich warte bis der "Big Deal" kommt.


C-F: Gibt es neben Hip-Hop noch andere Musik, die dir gefällt?


G.Pang: Ich höre alles was mein Ma­gen verträgt. Hautsächlich amerikanischen HipHop, Rap, RnB. Genauso Reg­gae­ton. Ich liebe diesen Rhythmus.
Deutschen Rap höre ich nur, wenn sich die Gelegenheit bietet. Genauso albanischen Rap. Ansonsten, eher desinteressiert.


C-F: Gibt es österreichische Künstler, die du schätzt?


G.Pang: Was jetzt? Rappen, Beats machen oder produzieren? Was Rap angeht gibt es eine Unterzahl guter Rapper in Österreich. Schätzen tu ich sehr wenige. Richtig berühren konnte mich bist jetzt noch keiner. In Österreich schätze ich ehrlich gesagt nur meinen Partner A.D.E. In meinen Augen einer der talentiertesten Rapper österreichweit und natürlich meinen Homie Ericson aus Wr. Neustadt.


C-F: Wie schauen deine musikalischen Pläne für die nächste Zukunft aus?


G.Pang: Es wird bald eine Gods Pang Epidemie ausbrechen. Ganz ehrlich, ich bin am Explodieren. Ich bin eine zeitlang still gewesen, hatte echt viel um die Ohren, musste viele Höhen und Tiefen durchmachen, währenddessen ich mich musikalisch wie gefesselt gefühlt habe. Doch bald heißt es wieder "Heimkehr der Seele". Und nur Gott kann mich stoppen. Ich werde ein neues Kapitel aufschlagen. Ich will nichts mehr planen, ich tu es einfach. Ich sag mal so: es ich höchste Zeit das zu tun, wofür uns der Liebe Gott erschaffen hat.


C-F: Haben die Leser demnächst Gelegenheit, dich in der Nähe live zu sehen?


G.Pang: Ich will kein großes Ding da­raus machen, doch A.D.E und ich warten noch auf die Zusage für einen Auf­tritt beim Stadtfest am Rathausplatz St. Pölten. Ich denke es wäre für alle, sowie auch für uns, ein besonderer Moment um St. Pölten beben zu lassen.
Ansonsten einfach auf meiner myspace rein gucken. Immer die neuesten Infos, News und Songs.


C-F: Ich wünsche dir viel Erfolg und bedanke mich für das Gespräch.


G.Pang: Nichts zu danken, hat mich sehr gefreut. Friede. Gods Pang.

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(7 Pics zum Artwork von Gods Pang)

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Autor: werner
letztes update: 1.4.10
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