![]() Publikumsdiskussionen 18.03.10: Einige Bemerkungen zur letzten Diskussion der Diskussionsreihe "Quo Vadis St. Pölten" im Café Publik, bei der diesmal der Fokus auf die Jugend und deren Möglichkeiten in stp gelegt wurde. Einer Diskussion zuzuhören, ihr aber nicht beizuwohnen hat schon etwas für sich. So erspart man sich etwa den entsetzten Blick seines Sitznachbarn, wenn einem die Zornesröte ins Gesicht schießt, weil ein Diskussionsteilnehmer eine unqualifizierte Wortmeldung abgibt. Man entgeht dem schwer zu bändigenden Drang, den abschweifenden Wortschwall eines Redners unterbrechen zu wollen. Man erspart sich auch den erzwungenen Verzicht, die blanken Nerven mittels Nikotin ruhig zu stellen.
Ich höre die Liveübertragung "Quo vadis St. Pölten - Focus Jugend" via Webstream von Campusradio 94,4, während ich zuhause vor dem Computer neue Icons für die City-Flyer-Site schnitze (an dieser Stelle ein Dankeschön an Campusradio für diesen tollen Service. Er sollte öfters eingesetzt werden, wofür haben wir denn eine FH für Telekommunikation und Medien). Die diesmalige Diskussion dreht sich um die "soziale Stadtentwickung", die Konzepte und Dialoge darüber und die Frage, was sich die jungen St. Pöltner von der Stadt wünschen. Der Ankündigungstext auf der Homepage las sich sehr interessant, denn die soziologischen Fragestellungen punkto Stadtentwicklung wurden von den Stadtoberen bislang weitgehend ausgeblendet. Mit den Praktikern Barbara Fellöcker (Jugendzentrum Steppenwolf), Johanna Figl (Szene Bunte Wähne), Benjamin Foerster-Baldenius (Raumlaborberlin), Heinz Janisch (Redakteur Ö1) und Autorin Linda Partaj am Podium, fand sich jedoch kein Experte, der hätte Auskunft geben können über die z.B. in der Ankündigung formulierten Frage, wohin sich „Jugend, Stadt und Raum angesichts gesellschaftlicher Spaltungstendenzen“ entwickeln wird. Meine Enttäuschung hält sich in Grenzen, zumal ja bekannt war, dass kein Soziologe zur Diskussion geladen wird. Die Praxis also wieder einmal! So höre ich Fallbeispiele, wie eine Integration von Jugendlichen in Kulturprojekte funktionieren kann und wie nicht (ein sehr gut vorgetragenes Beispiel stammte von Benjamin Foerster-Baldenius, der von einem Projekt in Rostock erzählte), ich höre wie toll sich St. Pölten in den letzten 10 Jahren entwickelt hat und wo noch Mangel in der Stadt herrscht. Das übliche Lamento über die desinteressierten Einwohner, die das reichliche Kulturangebot nicht wahrnehmen, darf natürlich auch nicht fehlen. Bevor ich endgültig meine Hirnaktivität ganz der Arbeit vor dem Computer widme, meldet sich ein FH Student im vierten Semester zu Wort und beschwert sich über die mangelnden Fortgehmöglichkeiten in St. Pölten. Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen zu gehen, säße ich im Café Publik. Der angehende Akademiker lebt seit zwei Jahren in St. Pölten und hat - trotz bekundetem Interesse – keine Ahnung, was sich hier tut! Und keiner am Podium oder im Auditorium widerspricht seiner Behauptung, in St. Pölten wäre für - sagen wir mal 20-Jährige - nichts los!! Mir liegt es fern, St. Pölten in irgendeiner Form schönzureden, aber eine realistische Einschätzung der Szene sollte doch möglich sein. Aus diesem Grund will ich folgende Behauptung aufstellen: Folgende Gruppen haben Grund zur Beschwerde, weil ihnen St. Pölten szenetechnisch zu wenig bieten kann: 1) die unter 16-Jährigen: weil sie aufgrund der Jugendschutzbestimmungen offiziell keinen Einlass in die Locations haben, wo sich Szene allenthalben abspielt. 2) Jugendliche MigrantInnen: seit die Disco im Megaplex geschlossen hält, pendeln sie zwischen La Boom und Warehouse und sind Im Grunde nirgendwo wirklich willkommen. 3) Twens ab 25 Jahren, die noch fortgehen: so sie sich nicht mit den jüngeren Semestern um einen Platz auf der Tanzfläche rittern wollen, müssen sie auf den "Seniorenfloor" oder den "Cottage Club" warten bzw. zu den entsprechenden Kremser und Wiener Clubbings auspendeln. bzw. 3a) Die kleine Gruppe der in Wien sozialisierten StudentInnen und AkademikerInnen, die das Wiener Nachtleben in all ihren Facetten mitbekamen und dessen urbanes Flair in St. Pölten vermissen. Für unseren oben erwähnten FH-Studenten sehe ich aber keinen gerechtfertigten Grund zur Beschwerde. Natürlich, beschweren kann man sich immer, doch dann sollte man sich zumindest nicht die Blöße geben, weder die Szenelokale in St. Pölten zu kennen, noch die Metalszene im frei.raum und sonst eigentlich auch nix. Und das nach zweijährigem Aufenthalt in der Stadt. Oder, wie es einem in meiner Erinnerung 15-Jährigen (?!) Diskussionsteilnehmer entfuhr, dass sich in Krems szenetechnisch mehr tut als in stp. Diese subjektive Wahrnehmung ist objektiv betrachtet reiner Blödsinn. Quantitativ lässt sich seine Behauptung leicht vorführen, indem ich einfach hier in den City-Flyer Terminen die Kremser und danach die St. Pöltner jugendrelevanten Termine (und auch sonst alle anderen) abrufe und zähle. Und die Behauptung aus einem subjektiven Standpunkt heraus aufzustellen bringt gar nichts. Das führt dann zu Ergebnissen wie "ich bin lieber in Krems, weil dort so eine geile Tussi herumläuft, die ich unbedingt anbaggern will." Mag sein, aber leider Themenverfehlung. Kontroversielle Wortmeldungen beleben bekanntlich die Diskussion. Das Selbstbewusstsein, entschieden für die Stadt einzutreten selbst wenn offensichtliche Falschmeldungen verbreitet werden, ist die Sache des komplexbeladenen St. Pöltners dann wieder auch nicht. Aber nur ein realistischer Blick auf die tatsächlichen Gegebenheiten innerhalb der St. Pöltner Szene hilft uns weiter, diese zu verbessern und auch die oben aufgelisteten Schwachpunkte zu entschärfen. Und man muss ja wirklich nicht jeden Schwachsinn unkommentiert im Raum stehen lassen. Es ist Samstag, 23:00 Uhr. Ich widme mich wieder meinen Icons am Computer und versäume die Crushing Caspars und Bloodshed Remains im Madhouse, Soundarcade und Fictionplay im frei.raum, B.Fleischmann und Sweet Sweet Moon im Café Publik und Fukkk Off aus Hamburg im Rahmen des Clubs "The Shit Is Coming Home" im Warehouse. Press Link "Galerie" (7 Pics über das Anbringen der Forderungen an den Bürgermeister am Tor zum Rathaus, die von den Teilnehmern während der Diskussion erhoben wurden. Pics von Peter Rauchegger) Diskussion zum Thema (alle 2 themen von 13 posts anzeigen):
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