Foto: Ch. Richter/ Livemodul (c) Peter Rauchecker
VA-Tag: Am Freitag den 12. März 2010
VA-Ort: Café Publik


Livemodul 2.0

REVIEW: Während der letzte Auftritt von LIVEMODUL mehr in die acidjazzige Richtung schlug, durfte man sich diesmal an Housemusic erinnert fühlen. Mächtig grooven tat es hier wie dort.

LIVEMODUL ist keine Band im klassischen Sinn. Im Zentrum steht der Bassist und Gitarrist MATTHIAS LACKENBERGER, der bei Livemodul die Saiteninstrumente zuhause lässt und stattdessen mit seinem Laptop den Beat vorgibt. Mitstreiter und fast immer dabei ist CHRISTOPH RICHTER an den Keyboards, der mit Matthias neben Livemodul auch andere Projekte wie DIE WABE am Laufen hält. Um den Kern des Projekts rotieren Gastmusiker, die von Gig zu Gig das Stockerl am Schlagzeug besetzen bzw. die Blasinstrumente bedienen. Gemeinsam geprobt wird kaum, die Musiker erhalten rechtzeitig vor dem nächsten Auftritt das Rhythmusskelett der zu spielenden Tracks, zu dem dann jede/r zuhause für sich improvisiert. Dadurch wird jeder Auftritt zu einem unwiederholbaren Erlebnis.

Welche unterschiedlichen Ergebnisse diese "Sessions" hervorbringen, konnte ich beim Vergleich der beiden letzten Auftritte im Café Publik erfahren. Im Oktober des Vorjahres hat LORENZ RAAB die Trompete geblasen und GEORG BECH die Drumsticks geschwungen, was den Tracks einen Flair von Acid und Jazz einhauchte. Diesmal gab MARTIN SCHEER einen geraden Beat vor, der die Kompositionen in housigere Gefielde transponierte.
Der jeweilige Bläser, diesmal mit GERD RAHSTORFER an der Trompete, hat es hier wie dort schwer. Er muss warten, bis die restlichen Musiker eine Lücke auftun, damit sein Solo auch wirklich zur Geltung kommen kann. Richter hat hier als Keyboarder den Vorteil klar auf seiner Seite, weil das Instrument den groovigen Aspekt der Musik unterstützt. Er kann nahezu einsteigen wo er will und ist der eigentliche Wizard der Band. Wenn er über die Tasten rast und die verrücktesten Sounds aus den betagten Synths zaubert, dann finden wir uns gerade am Höhepunkt eines der durchwegs sehr lange angelegten Tracks und sind geneigt, aufzuspringen und abzuhotten. Tut aber fast niemand.

Wenn die Band eingebettet in einem funktionierenden Club spielen würde, einem Club, in dem die Massive vom DJ schon zwei Stunden vor Konzertbeginn aus ihrem Sessel geholt wird, dann könnte im Anschluss die Musik von Livemodul ihrer eigentlichen Bestimmung nachkommen: 100% danceable. Im Café Publik hingegen konzentriert sich der Großteil der Zuhörer auf die artistischen Fähigkeiten der Musiker (und weiß sie zu würdigen). Tanzen wäre besser, auch für die Band.

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(33 Pics auf flickr von Peter Rauchegger)

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(7-minütiges Video auf YouTube von Claudia Zawadil)
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(4-minütiges Video auf YouTube von Claudia Zawadil)

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Autor: werner
letztes update: 28.3.10
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