![]() Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft Audrey Tautou gilt als süßeste Französin seit es Kino gibt, abonniert auf die Rolle des netten Mädchens. Als Coco Chanel brilliert sie hingegen als mutige, starke Frau. Coco Chanel war zweifellos eine der prägenden Figuren des 20. Jahrhunderts, nicht nur für die Modewelt. Sie war eine frühe Feministin, wollte arbeiten und ihr eigenes Geld verdienen und von keinem Mann abhängig sein - zu einer Zeit wo das alles andere als üblich war. Sie befreite die Frauen vom Korsett, machte das Tragen von Hosen für Frauen salonfähig, erfand das "kleine Schwarze", das Twinset, das "Chanel-Kostüm", den Modeschmuck und kreierte mit "No. 5" ein legendäres Parfum.
All das wird in Anne Fonaines Biopic allenfalls angedeutet. Wer sich einen Film über Mode erwartet, wird etwas enttäuscht sein. Wie schon der Untertitel "Der Beginn einer Leidenschaft" ahnen lässt, widmet sich der Film weniger Coco Chanels wegweisenden Kreationen als dem, was sie prägte, inspirierte und schließlich zur Stilikone und bedeutendsten Designerin ihrer Zeit aufsteigen ließ. Der Originaltitel "Coco avant Chanel" (Coco vor Chanel) ist da präziser. Der Film beginnt bei Cocos Kindheit: Gabrielle Chanel und ihre Schwester werden nach dem Tod der Mutter vom Vater ins Waisenhaus abgeschoben. Als junge Frauen schlagen sie sich als Näherinnen durch und treten nachts als Varietésängerinnen auf. Der wohlhabende Etienne Balsan (Benoît Poelvoorde) findet Gefallen an Gabrielle und gibt ihr nach einem Lied den Spitznamen "Coco". Sie folgt dem reichen Lebemann auf sein Schloss. Er lässt sie bei sich wohnen und sie schläft dafür mit ihm, doch die widerspenstige Gabrielle fühlt sich in der Situation alles andere als wohl. Sie will keinem Mann gehören. Aber Anfang des 20. Jahrhunderts war es auch nicht üblich, dass Frauen selbst für ihren Lebensunterhalt sorgten. Balsans Freunde sind fasziniert von der burschikosen, unkonventionellen und schlagfertigen jungen Frau, doch sie bleibt lieber im Hintergrund. Die oberflächliche Gesellschaft der Reichen und Schönen langweilt sie, sie will zu dieser Welt nicht dazugehören. Vor allem die unbequemen und viel zu übertriebenen Kleider der Damen, mit ihren Rüschen, Spitzen, Schleifen und riesigen Hüten sind ihr ein Gräuel. Gabrielle beginnt, Hosen und Hemden ihres Liebhabers zu tragen und ihren ganz eigenen Stil zu erfinden. Balsans Geschäftsfreund Boy Chapel (Alessandro Nivola) ist fasziniert von Cocos Eleganz und erkennt ihr großes Potential. Coco verliebt sich in den charmanten Briten und findet durch ihn den Mut, ihre Träume zu verwirklichen. Audrey Tautou verkörpert höchst glaubwürdig eine faszinierende und mutige Frau, die ihrer Zeit meilenweit voraus war und Modewelt wie Gesellschaft gleichermaßen revolutionierte. Was sie antrieb ist dabei nicht weniger spannend als das was sie geschaffen hat.
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