Foto: Die Asche meiner Schwester
Verlag/Jahr: Literaturedition Niederösterreich / 2008




Cornelia Travnicek - Die Asche meiner Schwester

Mit ihrer zweiten Veröffentlichung gelingt es Cornelia Travnicek einmal mehr, die LeserInnen zu überzeugen. Die junge Autorin bringt frischen Wind in die österreichische Literaturlandschaft.

Eine Geschichte, deren Ich-Erzählerin nach dem Tod der Mutter wenig Reaktion zeigt. So ganz anders als ihre jüngere Schwester, die durch ihr vieles Weinen alle Aufmerksamkeit und das Mitleid der Erwachsenen auf sich lenkt. Protagonistin und Antagonistin, wie es sie auch im wirklichen Leben zwischen Geschwistern oft gibt. Die Intensität dieser beiden Rollen ist enorm, denn die jüngere Schwester kennt keine Skrupel, der Älteren sogar den Freund weg zu nehmen.

Joshua studiert Psychologie und Linguistik, letzteres der Liebe wegen zu einer Rothaarigen. Das Ende der Beziehung bedeutet auch den Abbruch des Linguistik-Studiums. Der Abschluss in Psychologie verzögert sich um ein Jahr. Mit dem Diplom in der Tasche, nicht so richtig wissend, was Joshua mit seinem Leben anfangen soll, meldet er sich als missionarischer Entwicklungshelfer in Indonesien. Tropische Hitze, welche die Schweißdrüsen zu ungeahnten Höchstleistungen antreibt und Verständigungsprobleme mit den Einheimischen bestimmen den Alltag von Joshua. Doch meist kreisen seine Gedanken um die Zeichnerin mit dem Puppengesicht, die im selben Camp wie er verweilt. Als sie sich ein wenig näher kommen, erzählt ihm die Frau auch von ihrer älteren Schwester, die der Tod der Mutter kaum berührt hat.

Der Ich-Erzählerin ist es nicht vergönnt, sich in der Badewanne zu entspannen, das Klingeln ihres Handys will nicht enden. Am anderem Ende der Leitung eine fremde Stimme, die den Tod der Schwester verkündet. Deren Wunsch es war, dass ihre Asche im Rifgebirge in Marokko verstreut wird. Nach kurzer Überlegung entschließt sich die Ich-Erzählerin, dass es eigentlich ganz gut wäre, Wien für eine Weile den Rücken zu kehren und reist nach Marokko. Nicht alleine, sondern mit Joshua, dem Freund ihrer Schwester und dessen Hund "Napoleon", der an Flugangst leidet und deshalb bestreiten die drei mit dem Auto die lange Reise.


Die 1987 in St. Pölten geborene Cornelia Travnicek sorgt in der österreichischen Literaturszene für frischen Wind. Melancholisch, trocken und sarkastisch erzählt sie ihre Geschichten und überzeugt mit reifen Texten. Erst heuer im Frühjahr erschien die erste Veröffentlichung der junge Autorin unter dem Titel "Aurora Borealis". Ihr aktuelles Werk beschäftigt sich unter anderem mit den Problemen junger Menschen und kann als eine gelungene Mischung aus Dreiecksbeziehung und Roadmovie bezeichnet werden.

"Die Asche meiner Schwester" wird unter anderem im Rahmen von "Österreich liest - Treffpunkt Bibliothek" am 24. Oktober 2008 ab 19 Uhr in der Stadtbücherei Traismauer präsentiert. Ebenfalls lesen wird Margarete Lassi. Weitere Termine findet man auf der Homepage der Künstlerin.

Autor: claudia
letztes update: 13.10.08
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