Foto: Cover "Superheldinnen"
Verlag/Jahr: Residenz Verlag | Februar 2016




Barbi Marković - Superheldinnen

Auch wer Magisches wie Schicksalsblitz und Auslöschung beherrscht, braucht zum richtig leben vorallem Geld. Denn dann ist es auch nicht mehr so weit, den Sprung in die Mittelschicht zu schaffen.

Jeden Samstag kommen die Superheldinnen Mascha, Direktorka und die Ich-Erzählerin zu einem Arbeitstreffen im Café Sette Fontane am Siebenbrunnenplatz in Wien zusammen. Dort besprechen sie, wen sie als nächstes "auslöschen". Durch eine "Auslöschung" lässt man den Problemträger verschwinden, beim "Schicksalsblitz" hingegen wird das Problem selbst beseitigt.

Mascha stammt aus Sarajevo und wurde von Rabija in die Kunst der Magie eingeführt, die Ich-Erzählerin aus Belgrad erlernte das Handwerk von ihrer Großmutter Marija, welche mit ihren Kräften ein ganzes Land destabilisierte. Ihre Enkelin hat es ihr zu verdanken, dass sie ständig von Tauben verfolgt wird. Sie ist es auch, die in Berlin Bekannschaft mit dem "rotzigen Kind" macht. Die dritte im Bunde, Direktorka, ebenfalls aus Belgrad, kam als Letzte dazu und ist als "Schülerin" noch dabei, ihre eigenen übernatürlichen Fähigkeiten zu erforschen und weiter zu entwickeln.

Keine der drei hat einen lohnenden Arbeitsplatz und um zusätzlich etwas Geld zu verdienen, verfassen sie eine Kolummne für das Magazin "Astroblick", dass ihnen aber vorallem dazu dient, von den Leserinnen mit zusätzlicher Energie versorgt zu werden, damit die Auslöschungen relativ reibungslos über die Bühne gehen.

Trotz der Verachtung, die ihnen das heimische Proletariat entgegen bringt und regelmäßiger Demütigungen durch die Bürokratie versuchen die drei, ihre Contenance zu bewahren. Ein mit viel Magie manipulierter Casino-Besuch soll sie endlich in die Mittelschicht katapultieren und von ihren Geldsorgen befreien. Damit das gelingt, benötigen sie Smartphones, eine App und die gebündelte Energie ihrer Leserschaft ...


Barbi Marković (geb. 1980 in Belgrad) gilt seit ihrem 2009 veröffentlichten Debüt, dem Thomas Bernhardschen Remix "Ausgehen" (der in Belgrad bereits 2006 erschien) als deutschsprachige Popliteratin der Gegenwart. In ihrem neuen Werk erzählt sie die Geschichte von drei Frauen, die trotz ihrer übernatürlichen Begabung pessimistisch und trübsinning durchs Leben gehen. Ihr vorrangiges Ziel für sich selbst ist es, zu Geld zu kommen, um die Benachteiligungen, die man als Migrantin immer wieder erleben muss, zu vermindern. Mit "Auslöschung" und "Blitz" tun sie Gutes für ihre Mitmenschen.

"Superheldinnen" weist mehrere sehr gelungene, humorvoll-ironische Passagen auf, dennoch fehlt es dem Roman an Spannung. Und vom im Klappentext als "bösestes aller Happy Ends" betitelte Finale hätte man sich schon etwas mehr "Action" erwartet, vorallem wegen des Buchtitels.

Link zum Buch: Superheldinnen

Die knackig-erfrischende Coverillustration stammt von Joe P. Wannerer von der St. Pöltner Grafik-Agentur Boutique Brutal.

Autor: claudia
letztes update: 14.4.16
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