Foto: Cover " Das Mädchen, das rückwärts ging"
Verlag/Jahr: Arche | 2015




Kate Hamer - Das Mädchen, das rückwärts ging

Beim Besuch eines Geschichtenfestivals für Kinder im englischen Norfolk verschwindet die 8-jährige Carmel spurlos. Der dichte Nebel erschwert die Suche.

Beth und Paul sind seit einem Jahr geschieden, ihre Tochter Carmel lebt bei der Mutter, der Vater hat eine Frau und nimmt sein Besuchsrecht nicht wahr.

Die 8-jährige Carmel, die von ihrer Klassenlehrerin zwar als ganz besonders intelligent, aber auch als "Träumerin" beschrieben wird, besucht mit ihrer Mutter ein Geschichtenfestival, auf dass sie sich schon sehr gefreut hat. Carmel sieht dort auch einen älteren Mann mit Brille, der so aussieht, wie der, den sie in der Früh des selben Tages noch gezeichnet hat. Bevor das Mädchen sich darüber Gedanken machen kann, ist er aber wieder verschwunden.

Nachdem Mutter und Tochter Mittags einen kleinen Snack zu sich genommen haben und wieder zu einem der am Festival aufgestellten Zelte gehen, zieht immer dichterer Nebel auf. So bleiben sie in einem Zelt, in dem Bücher verkauft werden. Als Carmel das Gedränge zu viel wird, kriecht sie unter einem der Verkaufstische, ohne ihrer Mutter Bescheid zu geben. Dort entdeckt sie eines der Bücher, das sie selbst als Kleinkind hatte und vergisst beim Durchlesen völlig auf die Zeit. Nachdem Carmel wieder unter dem Tisch hervorgekommen ist, nähert sich ihr der Mann, den sie ein paar Stunden zuvor gesehen hatte und erzählt ihr, dass ihre Mutter einen schlimmen Unfall gehabt hat und er ihr Großvater ist.

Wie nicht schwer zu erraten ist, wird Carmel unter diesem erfundenen Vorwand vom Festivalgelände weg gelockt und entführt. Zuerst befindet sie sich noch einige Zeit im eigenen Land, wenn auch weit entfernt von Norfolk, später fliegt sie mit dem Großvater und seiner Lebensgefährtin in die USA (was sie nicht bemerkt, da sie betäubt und illegal ins Land gebracht wurde). Dort wird sie dann als Mädchen mit Heilkräften bei religiösen Versammlungen vorgeführt. Beth hingegen jagt wütend ihre Freundin Alice aus dem Haus, als diese ihr erklärt, das Carmel ein kleiner Engel ist und einen Draht zu Gott hat.

"Ich ging aus dem Zimmer, in dem sie so oft geatmet hatte
und ihre Gedanken noch immer unter der Decke hingen.
Sie schien um mich herumzuflitzen. Für den Bruchteil einer
Sekunde fragte ich mich, ob sie jemals real war. Hatte ich
mir ihr ganzes Leben nur erträumt?"


Kate Hamer (die 10 Jahre als Dokumentarfilmerin tätig war) ist mit ihrem Debüt ein packender, kurzweiliger Thriller gelungen, der sehr berührt, denn es gibt wohl nichts Schlimmeres für Eltern, wenn ihr Kind spurlos verschwindet. Wie im wahren Leben machen sich auch hier beide, vorallem aber die Mutter, schwere Vorwürfe, dass sie es nicht verhindern konnten, ihren Liebling zu beschützen.

Der Roman wird aus den Perspektiven von Mutter und Tochter erzählt. Dieser Wechsel sorgt für die richtige Dramaturgie, da die beiden sich über einen langen Zeitraum nicht sehen, man dadurch aber trotzdem an der Gedanken- und Gefühlswelt beider Charaktere intensiv teilnimmt. Hamer hat es trotz weniger unerwarteter Wendungen geschafft, eine spannende Geschichte zu schreiben, die den Leser in ihren Bann zieht.

Autor: claudia
letztes update: 23.2.16
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