Foto: Cover "Der schmale Pfad durchs Hinterland"
Verlag/Jahr: Piper | 2015




Richard Flanagan - Der schmale Pfad ...

"... durchs Hinterland". Der australische Arzt Dorrigo Evans ist einer jener Zwangsarbeiter, welche die Eisenbahnstrecke zwischen Thailand und Burma unter unmenschlichen Bedingungen bauen mussten.

Im Zweiten Weltkrieg mussten Hunderttausende Zwangsarbeiter den „Death Railway” zwischen Thailand und Burma im Auftrag der japanischen Armee errichten. Einer von Ihnen war der junge australische Chirurg Dorrigo Evans.

Schon bald macht das brutale Gefangenenlager der Japaner aus den einst kräftigen Soldaten Cholera-Kranke, von Parasiten befallene und unterernährte Menschen, welche die Hoffnung, heil aus dem Dschungel heraus zu kommen, beinahe oder schon ganz aufgegeben haben.


"Sie werden die Arbeit vollenden, auch wenn die meisten
an Erschöpfung sterben, sagte Colonel Kota achselzuckend. Auch wenn
alle sterben. Und Nakamura sah ein, dass der Colonel recht hatte.
Was war ein Kriegsgefangener schon wert? Weniger als ein Mensch,
er war das Material, das zum Bau der Eisenbahn eingesetzt wurde,
wie die Schwellen aus Teak, die Schienen und die Eisennägel."


Während die Männer unter Hunger, Krankheiten und den Grausamkeiten der brutalen Aufseher leiden, erinnert Dorrigo sich immer wieder an die Frau seines Onkels, mit der er einen Sommer lang eine leidenschaftliche Affäre hatte. Wie gerne würde er sie wieder in die Arme schliessen, doch er ist bereits Ella, einem Mädchen aus gutem Haus, versprochen. Eines Tages erhält er einen Brief mit der Nachricht, dass seine geliebte Amy bei einer Explosion gestorben ist.


"Bei dem Versuch, das Nachlassen der Erinnerung irgendwie
zu verhindern, musste er betrübt feststellen, dass das Festhalten an
der Vergangenheit den Verlust der noch verbliebenen Bilder nur beschleunigte. Eine Geste, einen Duft, ein Lächeln festhalten zu
wollen - das bedeutete, es in eine Form zu pressen, eine Totenmaske
aus Gips zu formen, die bei der ersten Berührung zu Staub zerfiel."


Richard Flanagan (* 1961 in Tasmanien) erzählt nüchtern und beklemmend über die grausame Behandlung der größtenteils australischen Kriegsgefangenen. Sein Vater selbst war am Bau der Todestsrecke beteiligt, hat diese aber überlebt und erzählte seiner Familie davon. Um sich noch besser in die Geschichte hineinversetzen zu können, reiste der Schriftsteller nach Thailand und begab sich auf die Spuren der Todeseisenbahn.

"Der schmale Pfad durchs Hinterland" wird vom Protagonisten erzählt, als dieser schon ein alter Mann ist. Einige der besonders eindringlichen Szenen dieses Buches werden aber mit den Augen anderer Gefangener und auch ihren Peinigern gesehen. Flanagan versteht es gekonnt, sich in den Feind hineinzuversetzen. Der Schriftsteller erhielt für sein Werk 2014 den Man Booker Prize.

"Der schmale Pfad durchs Hinterland" ist erhältlich bei Thalia St. Pölten, der dem City-Flyer ein Rezensions-Exemplar zur Verfügung gestellt hat.

Autor: claudia
letztes update: 16.11.15
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