Foto: Cover "Die gleißende Welt"
Verlag/Jahr: Rowohlt | 2015




Siri Hustvedt - Die gleißende Welt

Eine der intellektuellsten Schriftstellerinnen Amerikas überzeugt einmal mehr mit einem anspruchsvollen und intelligenten Roman. Die gleißende Welt ist eine Abrechnung mit dem Kunstbetrieb.

Die hochtalentierte Künstlerin Harriet "Harry" Burden stand immer im Schatten ihres verstorbenen Mannes Felix, einem einflussreichen New Yorker Galeristen. Er hat sie nie gefördert oder ihr Ausstellungen verschafft. Seit seinem Tod lebt sie in einem Loft und kreiert zahlreiche Werke in ihrem großen Atelier. Sie hat verschiedene Mitbewohner, ständig bei ihr ist das "Barometer", ein schizoider Mann, den Wetterumschwünge in den Wahnsinn treiben, der aber sonst harmlos ist. Für kurze Zeit verweilt auch auch die junge "Sweet Autumn" Pinkney im Loft, die ganz am Ende des Romans wieder in Erscheinung tritt und eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hat.

Aus ihrem jahrelangen Ärger darüber, dass von Männern geschaffene Kunst viel stärker und positiver wahrgenommen wird, als wenn sie von Frauen stammt, beginnt Burden ein heimliches Experiment. Sie kreiert drei erfolgreiche Installationen, welche angeblich von männlichen Künstlern geschaffen wurden.

Der erste Künstler, den Burden wählt, ist der junge, unbekannte Anton Tish, vier Jahre später tritt der schwarze Queer Performance Künstler Phineas Q. Eldridge für sie ins Rampenlicht. Ihr letzter "Maskenmann" ist der erfolgreiche Künstler Rune, eine rätselhafte Figur. Es hat den Anschein, als seien Burden und er auf der selben Wellenlänge, doch am Ende durch­­kreuzt er ihr Rollenspiel und ent­facht einen erbarmungslosen Machtkampf.


Siri Hustvedt hat mit "Die gleißende Welt" einen intelligenten und sehr anspruchsvollen Roman verfasst, der gnadenlos mit dem Kunstbetrieb abrechnet. Sie lässt ihre Protagonistin und auch die Leserschaft die Frage stellen, welche Faktoren unsere Wahrnehmung von Kunst eigentlich beeinflussen?

Den Titel ihres Romans holte sich Hustvedt vom gleichnamigen Werk Margaret Cavendish`s, erschienen im Jahr 1666. Die englische Adelige gehörte zu einer der ersten Frauen, die ihre Arbeiten unter ihrem eigenen Namen veröffentlichten. Es handelt sich bei diesem Buch dennoch nicht um eine weitere feministische Abrechnung gegenüber der Männerwelt.

Der Roman ist eine Textmelange aus Tagebuch-Notizen, Zeitungsinterviews, Zeugenaussagen und Erinnerungen der Hauptcharaktere. Er wird ergänzt durch regelmäßige, zum Teil längere Fußnoten, welche zu lesen mitunter etwas anstrengend sein kann. Man sollte sich davon aber nicht entmutigen lassen, "Die gleißende Welt" zu lesen ist eine wahre Bereicherung, die den geistigen Horizont erweitert.

sirihustvedt.net

Autor: claudia
letztes update: 29.7.15
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