Foto: Cover "Drei, vier Töne, nicht mehr"
Verlag/Jahr: Zsolnay / 2010, 158 Seiten




Andrea Winkler - Drei, vier Töne, nicht mehr

Schwermütige, poetische Sprache umgibt die Leser auch bei ANDREA WINKLER's neuem, nun dritten, Prosaband.

Schon nach dem Lesen der ersten Worte umfängt einem das Gefühl, als schlüpfe man durch ein Fenster in eine andere Zeit. In eine Zeit, in der keines jener lästigen Alltagsgeräusche, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind, an unsere Ohren dringt, keine Auspuffgase unsere Gehirne vernebeln. Wir befinden uns plötzlich in einer Epoche, in der uns lieblicher Lavendel- oder Orangenduft die Sinne raubt und wir das Rauschen des Meeres vernehmen.

Auch wenn es nun so klingen mag, aber romantisch geht es bei "Drei, vier Töne, nicht mehr" selten zu. In den "elf Rufen" von ANDREA WINKLER (geb. 1972, Freistadt/OÖ) schwingt unüberlesbar starke Melancholie mit. Ihre Protagonistin erinnert sich an jemanden, der nicht mehr da ist, zumindest gedanklich. Es wäre auch möglich, dass diese Person körperlich durchaus noch präsent ist. Nur spricht sie nicht mehr mit ihr. Wird dieser Mensch anfangs noch per "Sie" angesprochen, so wird im Laufe der Erinnerungen immer mehr die Du-Form verwendet.

Die Leserschaft wird vorangetrieben vom inneren Kampf um einen geliebten Menschen, der sich, vielleicht schon vor langem, entzogen hat. Wer von Winkler auch das vorige Werk "Hanna und ich" kennt, dem werden einige Parallelen zum neuen Prosaband auffallen. Beim Vorgängerwerk hat die Protagonistin versucht, der sich entziehenden Hanna wieder näher zu kommen. "Drei, vier Töne, nicht mehr" handelt zwar von einer (gescheiterten) Beziehung zwischen Frau und Mann, dennoch stellt man sich unwillkürlich die Frage, ob nicht bei beiden Monologen von ein und der selben Person gesprochen wird. Falls dem so ist, so wäre zumindest erklärt, warum Winkler sich ein weiteres Mal mit dieser Thematik auseinander gesetzt hat. Vieles im Buch bleibt nur vage angedeutet, sehr viel wird mit Metaphern beschrieben. Auffällig sind auch die sehr oft verwendeten Elemente, allen voran das Wasser, sei es nun als Meer, Fluss oder im Trinkglas.

Wer sich diesem Buch widmet, der wird umfangen von einer alten, poetischen Sprache, die unter anderem "an meiner statt" für einen bereit hält. Die Literatur von Andrea Winkler ist nur für eine besondere Leserschaft geeignet, nicht alleine wegen der heutzutage kaum mehr verwendeten Schreibe, auch deshalb, weil in ihren Büchern immer nur der Monolog der Ich-Erzählerin zu Wort kommt, es sich um keinen Roman mit einer Geschichte handelt. Insofern ist es nachvollziehbar, dass der "Falter" Winkler als "author's author" bezeichnet, also als jemand, dessen Werk vorrangig von SchriftstellerkollegInnen gelesen wird.

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Autor: claudia
letztes update: 27.2.10
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