Foto: Cover "Axolotl Roadkill"
Verlag/Jahr: Ullstein/2010




Helene Hegemann - Axolotl Roadkill

Schon lange vor der Veröffentlichung wurde Hegemann als Literatur Shooting-Star gefeiert, doch nun sieht sie sich des Plagiats an ihrem Debüt beschuldigt.

Die 16jährige Mifti lebt seit dem Tod ihrer Mutter in Berlin bei ihren älteren Halbgeschwistern Annika und Edmond. Sie verweigert die Schule und ist drogenabhängig. Dementsprechend bewegt sie sich in einem Umfeld, welches sie besser meiden sollte. Ihr "Freundeskreis" besteht nur aus älteren Personen, die selbst süchtig sind und sich auf ominösen Partys und im Berliner Club Berghain aufhalten. Auf einem ihrer drogengeschwängerten Streifzüge kauft sie einem Bekannten ein Axolotl (mexikanischer Schwanzlurch) ab, welches sie in einer Plastiktüte zu einer Hochzeitsfeier mitschleppt. Einer der Partygäste nimmt sie später zu sich mit nach Hause.

" ... die Nacht, wieder mal so ein Ringen mit dem Tod, die Fetzen angstgequälten Schlafes, mein von schicksalsmächtigen Orchestern erbebendes Kinderzimmer und all diese Einbrecherstimmen aus dem Hinterhof, die unausgesetzt meinen Namen schreien."


Kurz nach Veröffentlichung von Helene Hegemanns Debüt-Roman wurde vom Blogger Deef Pirmasens aufgedeckt, dass sich bei "Axolotl Roadkill" mehrere Passagen befinden, die denen vom Roman "Strobo" des Autoren Airen (geb. 1981) sehr ähnlich sind. Seine Arbeit wurde vom SuKultur Verlag 2009 veröffentlicht. Es trifft jedenfalls nicht zu (so wie es auf manchen Internet-Seiten nachzulesen ist), dass Textauszüge wortwörtlich übernommen worden sind. So wie im Vorfeld der Roman übertrieben gehyped wurde, so wird nun der Plagiatsvorwurf zu sehr aufgeblasen.
"Axolotl Roadkill" hat auch genug eigen verfasstes und selbst jenes, welches übernommen wurde, ist besser formuliert, als von Airen. Dieser sieht sich im Übrigen nicht als Opfer und ist über Hegemanns Vorgehensweise auch nicht besonders erzürnt. Ihm ist es allerdings unangenehm, dass sein Buch auf diese Art und Weise Beachtung gefunden hat. Der Ullstein Verlag hat nun nachträglich die Abdruckrechte erworben, fügt dem Roman ein Quellenverzeichnis hinzu und hat nun mit Airen einen Vertrag abgeschlossen.

Das einzig richtige wäre, Hegemann macht sich sofort daran, ein weiteres Buch zu schreiben, diesmal aber sollte es von Anfang bis zum Ende selbst verfasst sein. Denn dass dieses junge Mädchen schreiben kann, das steht außer Frage. Es bleibt jedenfalls zu hoffen, dass sie und auch der Ullstein Verlag dabei etwas gerlernt haben. Plagit hin oder her- dieses Buch wird sich auf jeden Fall auch weiterhin sehr gut verkaufen. Und auch Arien`s davor kaum beachtetes "Strobo" wird nun fleißig erworben.

"Axolotl Roadkill" ist erhältlich in der Buchhandlung Thalia.

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Autor: claudia
letztes update: 22.2.10
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