Foto: Cover "Der Kaiser von China"
Verlag/Jahr: Dumont 2008
Genre: Unterhaltungsroman




Tilman Rammstedt - Der Kaiser von China

"Einer hat immer das Bummerl." So auch in diesem humorvollen Roman, in dem der Enkel, nachdem er das kürzeste Streichholz gezogen hat, mit seinem Großvater nach China reisen soll.

Keith Stapperpfenning und seine vier älteren Geschwister schenken ihrem Großvaters zum 80. Geburtstag eine Reise, die sie gemeinsam mit ihm unternehmen wollen. Doch als Keith's Geschwister hören, dass ihr Großvater unbedingt ins weit entfernte China möchte, hat plötzlich keiner mehr Zeit, dabei zu sein. Um die Entscheidung zu vereinfachen, lassen sie in Form von unterschiedlich langen Streichhölzern das Los entscheiden.

Wie es das Schicksal, oder in diesem Falle der Schriftsteller will, zieht Keith das kürzeste Streichholz. Er versucht mit verschiedenen Ausreden, den Großvater von dieser Idee abzubringen, doch keine hat Erfolg. Hinzu kommt, dass er auch noch das Geld, das seine Geschwister ihm für die Reise gegeben haben, im Casino verspielt. Der Großvater bleibt dennoch stur und beschließt, dann eben alleine mit dem Auto die Reise anzutreten.
Um zu vermeiden, dass seine Geschwister erfahren, dass er nicht mit seinem Großvater nach China geflogen ist, verbringt Keith seit der Abreise des hartnäckigen Mannes meist seine Zeit unter dem Schreibtisch des Gartenhauses in dem er lebt, und bewegt sich nur auf allen Vieren vorwärts, damit man ihm vom Wohnhaus nicht sehen kann. Sein Großvater schickt ihm regelmäßig Postkarten, die er mit asiatischen Motiven überklebt hat und auf denen als Abschluss öfter geschrieben steht: "Du hättest mitkommen sollen."

Um sich die Zeit zu vertreiben, verfasst es fiktive Briefe, in denen er seinen Geschwistern von Reise-Erlebnissen berichtet, die zum Schmunzeln anregen. So besuchen er und sein Großvater unter anderem in der Stadt Xi`an den Tempel der der "Acht Unsterblichen" und die beiden wichtigsten Wahrzeichen der Stadt, die Wildganspagode und die Graugansstatue. Manches klingt im ersten Moment glaubhaft, anderes erkennt man sofort als Flunkerei. So zum Beispiel die Geschichte der "Weltsensation" Lian, von der sein Großvater behauptet:
"Nie zuvor habe er eine Frau solchen Ausmaßes zu Gesicht bekommen. Wie gelähmt sei er gewesen, unfähig, seine Augen von dieser ausufernden Körperlichkeit zu lösen, von der Unmenge an Kinnen, von den prall gefüllten Hautlappen, die dicht geschichtet an Armen und Beinen hinabhingen, am wenigsten vom kleinen Finger, der wie eine übersättigte Made aus dem Fleischbrocken ihrer Hand kroch."

In ausgerechnet diese Zirkusartistin will sich der Großvater in jungen Jahren verliebt haben, wo er doch auch noch im hohen Alter jüngere und knackigere Frauen bevorzugt.
Eines Tages bekommt Keith einen Anruf von einer Pathologin aus dem Westerwald, die ihm informiert, dass sein Großvater gestorben ist ...


Tilman Rammstedt ist mit seinem dritten Roman eine humorvolle und leichtfüßige Geschichte gelungen, die sich auch für ein jüngeres Publikum sehr gut eignet. Unangenehm für den Berliner Schriftsteller war, dass der Verlag großen Druck auf ihn ausübte, damit das Buch, für dessen erste 16 Seiten er heuer den Bachmannpreis bekam, möglichst schnell auf den Markt kommt.
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Autor: claudia
letztes update: 16.1.09
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