Foto: Cover zu "Ein gerader Rauch"
Verlag/Jahr: Rowohlt 2008
Genre: Antikriegsroman




Denis Johnson - Ein gerader Rauch

Mit seinem Werk über den Vietnam-Krieg ist dem Amerikaner DENIS JOHNSON ein eindringlicher und erschreckender Roman gelungen, der erneut zum Nachdenken über die Sinnlosigkeit eines Krieges anregt.

Am Beginn der Reise, durch die uns dieses Buch führt, befinden wir uns im Jahr 1963, die Ermordung von Präsident John F. Kennedy ist in aller Munde. Doch nicht um den Tod Kennedys geht es hierbei, sondern um den Vietnam-Krieg und seine Protagonisten, die durch die Wirren des Krieges nur noch selten bei klarem Verstand sind.

Da wäre zuallererst einmal der beinahe schon übermächtige Colonel Francis X. Sands, legendärer Weltkriegsheld und Freund der psychologischen Kriegführung. Während er als Legende Unsterblichkeit erlangt, endet sein Neffe Skip Sands am Ende des Romans als Waffenhändler in Malaysia am Galgen. Seine Rolle in der Geschichte des Buches ist eine undankbare, denn die einzigen Aufgaben, die ihm sein Onkel zuteilt, sind die Verwaltung veralteter nachrichtendienstlicher Karteikarten und das Sammeln vietnamesischer Märchen. Letzteres soll angeblich der psychologischen Kriegsführung zugute kommen. Der Wunsch, "richtig" zu kämpfen respektive am Krieg teilzunehmen, verwehrt ihm sein Onkel.

Die Brüder Bill und James Houston, 17 und 18 Jahre alt, sind ebenso erbärmliche Akteure. In ihrer Heimat zählen sie zum sogenannten "weißen Abschaum" (White Trash). Beide sind vom Wunsch besessen, in den Krieg zu ziehen, etwas für ihr Land zu leisten. Wie man sich denken kann, scheitern sie natürlich kläglich. So wird James, nachdem er vollgepumpt mit Drogen, eine Thai-Dirne ermordete, "ehrenhaft" entlassen.
Beide Brüder wissen nach ihrer Rückkehr in die Heimat nichts mit ihrem Leben anzufangen wissen und landen, wie viele ihrer Kameraden, in der Kriminalität.

Der einzige Charakter, der das Richtige tut, ist die Krankenschwester Kathy. Sie betreut vietnamesische Waisenkinder und hätte Skip's Rettung bedeuten können, doch dieser ist mit anderen Dingen beschäftigt, als zu lieben. Viele der Briefe, die Kathy an Skip schreibt, bleiben unbeantwortet. Erst als Skip seinen Tod vor Augen hat, ist es ihm möglich, einen langen Brief an Kathy zu verfassen, in dem er ihr sein Verhalten zu erklären versucht.

Eindringlich schildert Denis Johnson in sei­nem neuen Werk die Sinnlosigkeit des Viet­­nam-Krieges. Er zeigt, dass der Krieg keinen, den er einmal in seinen Fängen hatte, je wieder freigibt. Die Protagonisten von Johnson sind allesamt zerrüttete Seelen, die von den Wirren des Krieges nur noch selten bei klarem Verstand sind. Dieser packende Anti­kriegs­roman stellt die verrückte Irre­a­l­ität der Vietnam-Hölle in bilderhafter Spra­che dar und fesselt die Leserschaft.

Erhältlich in der Buchhandlung Thalia.
Autor: claudia
letztes update: 16.1.09
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